Politforum 06/26
Grüne Oasen statt Betonwüsten
Bereits im Mai wurden Temperaturen erreicht, die an Hochsommer erinnerten. Nun hat der Sommer offiziell begonnen, und die nächste Hitzewelle lässt wohl nicht lange auf sich warten. Die Klimakrise ist längst nicht mehr etwas, das nur ferne Regionen oder zukünftige Generationen betrifft. Sie ist bereits heute Teil unseres Alltags.
Hitze ist dabei weit mehr als eine Frage des persönlichen Wohlbefindens. Sie stellt zunehmend eine gesundheitliche und soziale Herausforderung dar. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder und Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Doch auch die Wohnsituation spielt eine wichtige Rolle. Wer in einer kleinen Dachwohnung lebt, keinen Garten hat oder keinen einfachen Zugang zu kühlen Grünräumen findet, leidet stärker unter Hitzewellen als Menschen mit schattigen Rückzugsorten. Die Folgen des Klimawandels treffen also nicht alle gleich. Deshalb ist die Anpassung an die Hitze auch eine Frage der Umweltgerechtigkeit.
Was bedeutet das für Worb? Unsere Gemeinde wächst. Neue Wohnüberbauungen entstehen, bestehende Quartiere werden verdichtet. Diese Entwicklung ist grundsätzlich sinnvoll und notwendig. Doch Verdichtung allein schafft noch keine Lebensqualität. Die entscheidende Frage lautet: Wie gestalten wir dieses Wachstum?
Vielerorts werden grosse Teile von Parzellen durch unterirdische Einstellhallen zugebaut. Darüber bleibt oft nur eine dünne Erdschicht zurück. Das reicht für Rasen oder niedrige Bepflanzung, häufig aber nicht für grosskronige Bäume. So entstehen auf dem Papier Grünflächen, während in der Realität oft Schatten, Kühlung und Aufenthaltsqualität fehlen. Wir schaffen Wohnraum, aber nicht immer genügend Lebensraum. Dabei sind gerade grosse Bäume für eine zukunftsfähige Siedlungsentwicklung von zentraler Bedeutung. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung und machen Quartiere auch an heissen Sommertagen lebenswerter. Der Unterschied zwischen einem versiegelten Platz in der prallen Sonne und einem schattigen Ort unter einer Baumkrone ist unmittelbar spürbar. Umso wichtiger ist es, dass wir bereits heute die Voraussetzungen schaffen, damit solche Bäume auch in Zukunft wachsen können. Denn die Bäume, die uns im Jahr 2050 Schatten spenden sollen, müssen wir heute pflanzen.
Die Klimakrise werden wir in Worb nicht alleine lösen. Aber wir können entscheiden, ob neue Quartiere zu Hitzefallen oder zu lebenswerten Grünräumen werden. Aus diesem Grund setzen sich die Grünen Worb mit der an der nächsten Parlamentssitzung eingereichten Motion «Grüne Oasen statt Betonwüsten» für mehr Raum für Bäume in neuen Überbauungen ein. Grüne Oasen sind kein Luxus. Sie sind eine Investition in Gesundheit, Lebensqualität, Umweltgerechtigkeit und die Zukunft unserer Gemeinde.
Julia Brincker
Parlaments-Mitglied Worb
