­­­Wohnen z’Worb

Jede und jeder sucht für sich eine Heimat, wo er sich wohl- und geborgen fühlen kann. Die Frage ist nur: Wo kann man es sich leisten?
Worb steht, wie viele Gemeinden im Kanton Bern, vor einer wachsenden Herausforderung: Bezahlbarer Wohnraum wird knapp. Die Mietpreise sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Die empfohlene Mietzinsbelastung sollte nicht über 30 % des Einkommens liegen.
Dass Worb wächst, ist offensichtlich und für die Gemeindeeinnahmen auch wünschenswert. Doch wie gelingt es, Wohnraum für alle bezahlbar zu halten? Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die angestossenen Massnahmen Wohnungen mit erschwinglichen Mietpreisen oder nur Wohnraum für besser Gestellte zur Verfügung stellen.
Eine vielfältig ausgerichtete Gemeinde bedeutet auch ein buntes, zukunftsweisendes Leben und fördert das Verständnis füreinander. Was oft vergessen wird: Auch weniger gut Verdienende tragen mit ihrem Konsum zur Wirtschaft bei und damit für gute Lebensqualität und -komfort.
Geplante Projekte wie z.B. die «Sternematt» versprechen Schönes, aber gelingt es mit 2/3 Wohneigentum und 1/3 Mietwohnungen wirklich moderate Mietpreise anzubieten? Die daneben gelegene HAWO-Genossenschaft zeigt, dass mit Engagement für die Sache auch heute noch gemeinnützige Wohnformen und preiswerte Mieten möglich sind.
Wie die Erfahrung mit überwiegender Eigentümerschaft zeigt, ist Konsens bei den unterschiedlichen Interessen schwer möglich. Nicht umgesetzte, aber eigentlich gemachte Versprechen, sind im Nachhinein – wenn ein grosser Teil der Eigentümerschaft dagegen ist (siehe Projekt Dreiklang) – schwer oder gar nicht nachzubessern.
Es ist durchaus verständlich, dass Geldgebende ihr Kapital gewinnbringend investieren wollen, doch bis zu welcher Rendite kann Ertrag gerechtfertigt sein? Die Mietpreise des Neubaus an der Bernstrasse 42 zeigen, wie oft leider Profit im Vordergrund steht.
Experten erwarten, dass die Nachfrage nach Wohnraum in Worb weiter steigt. Vor allem durch die Nähe zu Bern und die gute ÖV-Anbindung. Prognosen gehen von einem Preiswachstum von 8–12 % bis 2030 aus.
Ich bin durchaus nicht für mehr Reglementierungen, denn Vorgaben gibt es in unserer zivilisierten Welt schon genügend. Jedoch wäre es toll, wenn der gesunde Menschenverstand zum Zuge käme und nicht nur das eigene, sondern das Gesamtwohl aller mit einbezogen wird. Denn Zufriedenheit generiert eine Gemeinschaft, die auch die Gemeinden und das Zusammenleben weiterentwickelt. Das Wohlergehen aller sollte stets im Vordergrund stehen und dabei Parteiideologien ausser Acht gelassen werden.

Zoltan Fekete